Säure-Basen-Hype

Basisch essen, besser fühlen

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 14.08.2026 - 08:00
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Obst und Gemüse sind wichtige Bestandteile einer gesunden Ernährung. Den pH-Wert des Blutes verändern sie jedoch nicht – der Körper reguliert ihn selbst. © Tatjana Baibakova/Shutterstock.com

Ob Schokolade, Fast Food, Alkohol oder das ständige Scrollen am Smartphone: Die Idee, für eine bestimmte Zeit auf etwas zu verzichten, liegt im Trend. Ein Konzept, das dabei immer wieder auftaucht, ist das Basenfasten. Die Grundidee: Bestimmte Lebensmittel sollen den Körper „sauer“ machen, während Obst, Gemüse und Salate dabei helfen sollen, ein besseres Gleichgewicht herzustellen. Deshalb verzichten Anhänger dieser Ernährungsform häufig auf Fleisch, Zucker, Alkohol, stark verarbeitete Lebensmittel sowie bestimmte Getreide- und Milchprodukte. Dass mehr Gemüse, weniger Alkohol und weniger stark verarbeitete Lebensmittel eine gute Idee sind, steht außer Frage. Diese Veränderungen können sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Die Erklärung, dass der Körper dadurch von einer angeblichen „Übersäuerung“ befreit wird, ist jedoch wissenschaftlich nicht so einfach. Denn unser Körper verfügt über sehr effektive Systeme, die den Säure-Basen-Haushalt ständig regulieren.

Der Körper hält den pH-Wert selbst stabil

Der Begriff „Übersäuerung“ klingt zunächst alarmierend. Eine echte Übersäuerung des Blutes – medizinisch Azidose genannt – gibt es tatsächlich. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Folge von Pizza, Süßigkeiten oder einem stressigen Alltag, sondern um eine ernsthafte Störung des Stoffwechsels oder der Atmung. Normalerweise hält der Körper den pH-Wert des Blutes sehr konstant in einem leicht basischen Bereich zwischen etwa 7,35 und 7,45. Dafür sorgen verschiedene Kontrollmechanismen: Die Lunge reguliert den Kohlendioxidgehalt, die Nieren scheiden überschüssige Säuren aus und spezielle Puffersysteme im Blut können Veränderungen ausgleichen. Eine echte Azidose kann beispielsweise durch schwere Erkrankungen entstehen – etwa durch Probleme mit der Atmung, bestimmte Stoffwechselstörungen, eine schwere Nierenerkrankung oder den Einfluss bestimmter Medikamente und Giftstoffe. Sie gehört in ärztliche Behandlung und hat nichts mit einer normalen Ernährung im Alltag zu tun.

Was Ernährung tatsächlich bewirken kann

Trotzdem hat die Ernährung natürlich Einfluss auf den Körper – nur anders, als es manche Basen-Konzepte versprechen. Wenn wir Lebensmittel verdauen, entstehen Stoffwechselprodukte, die sauer oder basisch sein können. Diese Veränderungen zeigen sich v. a. im Urin. Nach bestimmten Mahlzeiten kann der Urin beispielsweise saurer oder basischer sein. Das bedeutet aber nicht, dass sich dadurch automatisch der pH-Wert des Blutes verändert. Urin-Teststreifen, mit denen viele „Basen-Kuren“ beworben werden, können deshalb nicht zeigen, ob der gesamte Körper übersäuert ist. Sie messen lediglich den aktuellen Säuregrad des Urins. Was eine basenreiche Ernährung aber tatsächlich leisten kann: Sie bringt oft automatisch mehr frisches Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und weniger stark verarbeitete Lebensmittel auf den Teller. Genau diese Veränderungen können einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Auch der häufig genannte Zusammenhang zwischen einer „sauren Ernährung“ und Osteoporose ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Entscheidend für stabile Knochen sind vielmehr Faktoren wie ausreichend Kalzium, Vitamin D, Bewegung und eine insgesamt ausgewogene Ernährung.

Gesund essen statt auf Basen-Versprechen setzen

Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, braucht keine komplizierten Regeln oder teure Spezialprodukte. Eine Ernährung mit viel Gemüse und Obst, ausreichend Eiweiß, Vollkornprodukten und möglichst wenig hoch verarbeiteten Lebensmitteln ist eine gute Grundlage. Auch weniger Alkohol, weniger Zucker und bewusster Genuss können sinnvoll sein – nicht, weil sie den Körper „entsäuern“, sondern weil sie allgemein zu einem gesünderen Lebensstil beitragen. Bei Produkten wie Basenpulvern, speziellen Basendrinks oder Basenbädern lohnt sich dagegen ein kritischer Blick. Für gesunde Menschen gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass solche Produkte den Säure-Basen-Haushalt des Körpers verbessern.
Der wichtigste Trend bleibt deshalb ein ganz einfacher: nicht den Körper „reparieren“ müssen, sondern ihn mit guter Ernährung, Bewegung und ausreichend Erholung unterstützen. Denn unser Körper kann eines besonders gut – sich selbst im Gleichgewicht halten.