Die Kurkumawurzel ist für ihre entzündungsbezogenen Inhaltsstoffe bekannt und verleiht Gerichten nicht nur ihre leuchtend gelbe Farbe, sondern auch ein würziges, leicht erdiges Aroma. © worlditravelilove/Shutterstock.com
Ob frisch gerieben, gemahlen, getrocknet oder als ganze Körner: Gewürze bringen eine erstaunliche Vielfalt in die Küche. Gleichzeitig liefern sie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, ätherische Öle und andere natürliche Verbindungen. Bei einigen dieser Stoffe wird untersucht, ob sie Prozesse beeinflussen können, die mit Entzündungen im Körper zusammenhängen. Dabei lohnt sich ein genauer Blick: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind je nach Gewürz sehr unterschiedlich und lassen sich nicht einfach mit einer medizinischen Wirkung gleichsetzen. Gewürze sind in erster Linie Lebensmittel – und gerade deshalb interessant, weil sie sich unkompliziert in eine abwechslungsreiche Ernährung integrieren lassen.
Kleine Zutaten, interessante Pflanzenstoffe
Kardamom besticht durch sein intensives, leicht süßliches Aroma mit einer frischen, fast zitronigen Note und verleiht sowohl süßen als auch herzhaften Speisen eine besondere Würze. © Valentyn Volkov/Shutterstock.com
Ingwer gehört zu den bekanntesten Gewürzen, wenn es um natürliche Inhaltsstoffe mit entzündungshemmendem Potenzial geht. Verantwortlich dafür sind unter anderem Gingerole. Wird Ingwer erhitzt oder getrocknet, entstehen daraus weitere Verbindungen wie Shogaole. Die entsprechenden Effekte werden wissenschaftlich untersucht; auch bei rheumatischen Beschwerden gibt es erste klinische Untersuchungen, wobei die Aussagekraft solcher Studien begrenzt ist. Auch Rosmarin hat mehr zu bieten als sein intensives mediterranes Aroma. Das Küchenkraut enthält unter anderem Rosmarinsäure und weitere Polyphenole. Diese Pflanzenstoffe weisen in wissenschaftlichen Untersuchungen antioxidative und entzündungsbezogene Eigenschaften auf. In der Küche passt Rosmarin hervorragend zu Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchten oder mediterranen Gerichten.
Ein Klassiker der süßen Küche ist Zimt. Seine Polyphenole werden ebenfalls im Zusammenhang mit entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften erforscht. Gleichzeitig sollte man bei Zimt auf die Sorte achten: Cassia-Zimt enthält deutlich mehr Cumarin als Ceylon-Zimt. Bei regelmäßig größeren Mengen wird Ceylon-Zimt empfohlen beziehungsweise Cassia-Zimt maßvoll zu verwenden. Zu viel Zimt ist nicht gesund und kann in großen Mengen Übelkeit Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen auslösen.
Kardamom bringt eine ganz eigene Mischung aus würzigen, süßlichen und leicht blumigen Aromen mit. Besonders interessant sind seine zahlreichen Pflanzenstoffe. Eine systematische Auswertung klinischer Studien fand Hinweise darauf, dass Kardamom verschiedene Entzündungsmarker beeinflussen kann. Die Zahl der verfügbaren Studien ist allerdings noch überschaubar, weshalb die Ergebnisse mit entsprechender Vorsicht einzuordnen sind.
Schärfe mit überraschenden Begleitern
Kreuzkümmel verleiht Gerichten ein warmes, würziges und unverwechselbares Aroma und enthält ätherische Öle mit interessanten natürlichen Inhaltsstoffen. © rodrigobark/Shutterstock.com
Schwarzer Pfeffer wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz gewöhnliches Tischgewürz. Verantwortlich für seine Schärfe ist Piperin – und genau dieser Stoff macht den Pfeffer auch wissenschaftlich interessant. Untersuchungen beschäftigen sich unter anderem mit seinen antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften. Besonders praktisch: Pfeffer lässt sich in der Küche nahezu überall einsetzen – von Suppen und Gemüse bis hin zu Pasta und Fleischgerichten. Bei Cayennepfeffer kommt dagegen ein anderer Scharfmacher ins Spiel: Capsaicin. Der Stoff ist für das typische Brennen verantwortlich und wird intensiv erforscht. Unter anderem gibt es Hinweise darauf, dass Capsaicin bestimmte Signalwege beeinflussen kann, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Cayennepfeffer eignet sich damit nicht nur für Chili, sondern auch zum Würzen von Gemüse, Saucen, Eintöpfen oder Hülsenfrüchten.
Ebenfalls interessant ist Kreuzkümmel, auch Cumin genannt. Das Gewürz ist v.a aus der indischen, orientalischen und nordafrikanischen Küche bekannt und verleiht Speisen eine warme, leicht erdige Note. Zu seinen Inhaltsstoffen gehören ätherische Öle mit Verbindungen wie Cuminaldehyd. Auch für Kreuzkümmel gibt es Untersuchungen zu antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften.
Zwischen Luxusgewürz und heimischem Küchenbegleiter
Safran zählt zu den kostbarsten Gewürzen der Welt und verleiht Speisen mit seinem feinwürzigen Aroma und seiner intensiven goldgelben Farbe eine besondere Note. © Halil ibrahim mescioglu/Shutterstock.com
Eine besondere Stellung nimmt Safran ein. Die feinen roten Fäden sind nicht nur ausgesprochen kostbar, sondern enthalten unter anderem Crocin, Crocetin, Picrocrocin und Safranal. Einige dieser Verbindungen werden wegen ihrer antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht. Erste klinische Untersuchungen beschäftigen sich beispielsweise mit möglichen Effekten bei entzündlichen Beschwerden. Die bisherige Datenlage ist jedoch noch nicht ausreichend, um daraus eine medizinische Empfehlung abzuleiten. Deutlich bodenständiger ist Hagebuttenpulver. Es wird aus den Früchten verschiedener Wildrosen gewonnen und bringt eine fruchtig-säuerliche Note mit. Besonders bekannt ist es als Zutat, die in Untersuchungen im Zusammenhang mit Gelenkbeschwerden und Entzündungsprozessen betrachtet wurde. Auch hier gilt: Die vorhandenen Studien liefern interessante Hinweise, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
Und schließlich darf Kurkuma selbst natürlich nicht fehlen. Das leuchtend gelbe Gewürz enthält Curcuminoide, a. v. Curcumin. Deren entzündungsbezogene Eigenschaften sind vielfach untersucht worden. Gleichzeitig hängt die Wirkung stark von Form, Dosierung und Aufnahme ab – die Ergebnisse aus Untersuchungen mit konzentrierten Präparaten lassen sich daher nicht einfach auf die übliche Verwendung von Kurkuma als Küchengewürz übertragen.