Brot des Jahres 

Roggen im Rampenlicht

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 26.01.2026 - 10:44
shutterstock_1285995355.jpg

© nerudol/Shutterstock.com

Das Deutsche Brotinstitut hat das Roggenbrot zum Brot des Jahres 2026 gewählt. Damit wird eine Brotsorte gewürdigt, die wie kaum eine andere für Beständigkeit, Qualität und echtes Handwerk steht. Zugleich lenkt die Wahl die Aufmerksamkeit auf ein Getreide, das im Zeichen des Klimawandels neue Bedeutung gewinnt: Roggen gilt als besonders widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und trägt so zur Stabilität der landwirtschaftlichen Erträge bei.
In Österreich ist Brot weit mehr als bloße Nahrung. Es verbindet Menschen, steht für Heimatgefühl und spiegelt die große handwerkliche Vielfalt des Landes wider. Besonders in ländlichen Regionen sind Bäckereien unverzichtbare Nahversorger und gleichzeitig Orte der Begegnung. Roggenbrot spielt in dieser Brotkultur eine zentrale Rolle. Nach den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck muss Roggenbrot zu mindestens 90  % aus Roggenmehl bestehen. Typisch ist seine Herstellung mit Sauerteig – eine Kunst, die Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl verlangt. Durch die sorgfältige Sauerteigführung werden die Enzyme im Roggen reguliert, wodurch das Mehl überhaupt backfähig wird. Das Ergebnis: ein unverwechselbares Aroma, längere Frischhaltung und eine besondere Bekömmlichkeit.

Österreichs Brotkultur ist europaweit einzigartig. Jede Region pflegt eigene Rezepte, die über Generationen weitergegeben werden. Mit einem Pro-Kopf-Verzehr von rund 41 kg Brot im Jahr zeigt sich die enge Verbundenheit der Bevölkerung mit heimischem Backhandwerk. Ob bäuerliches Bauernbrot oder frische Semmel – Brot ist fester Bestandteil des Alltags und Ausdruck gelebter Regionalität. Hinter jedem Laib steckt präzise Handarbeit: Für ein Kilogramm Bauernbrot braucht es rund 17.000 bis 18.000 Getreidekörner, bei einer Semmel etwa 1.000. Rund 95 % des in Österreich verwendeten Brotgetreides stammen aus heimischem Anbau. Das AMA-Gütesiegel garantiert darüber hinaus, dass sämtliche Schritte – von der Getreideproduktion bis zur fertigen Backware – im Inland erfolgen. 
Doch die Landwirtschaft steht vor Herausforderungen. Trockenperioden, Schädlinge und Extremwetter erfordern neue, klimaresiliente Anbausysteme und den sorgsamen Umgang mit fruchtbaren Böden. Nur so lässt sich die Versorgung mit hochwertigen, regionalen Lebensmitteln langfristig sichern.

Brotbacken bleibt vielerorts gelebte Tradition. Alte Hausrezepte werden als wertvolles Erbe weitergegeben, um ursprünglichen Geschmack und Qualität zu bewahren. Auch in privaten Küchen erlebt das Selberbacken eine Renaissance – der Duft frisch gebackenen Brots erfüllt wieder häufiger die heimischen vier Wände.