Die Quitten-Ernte neigt sich langsam dem Ende zu. Höchste Zeit also, die goldgelben Früchte noch einmal in den Mittelpunkt zu rücken. Von der Vorspeise über den Hauptgang bis zum Dessert beweisen... Mehr lesen ...
Auch in Österreich gehört das Martinskipferl zum Brauchtum rund um den Martinstag. Das süße Germteiggebäck wird traditionell miteinander geteilt – als Zeichen der Nächstenliebe und in Erinnerung an die berühmte Mantelteilung des heiligen Martin. © Milosz_G/Shutterstock.com
In Österreich gehört das Martinskipferl zu den schönsten kulinarischen Bräuchen rund um den 11. November. Das goldbraune Germgebäck wird bei Martinsfeiern gerne gemeinsam gegessen: Einer bricht das Kipferl entzwei und gibt die andere Hälfte weiter. Damit erinnert die Tradition an den heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Das Gebäck wird so zum essbaren Symbol für Großzügigkeit und Gemeinschaft.
In Deutschland duftet es rund um den Martinstag vielerorts nach frisch gebackenem Hefeteig. Besonders bekannt ist der Weckmann, der regional auch Stutenkerl oder Dambedei heißt. Die kleinen Gebäckfiguren stellen einen Mann dar, werden mit Rosinen als Augen verziert und tragen häufig eine Tonpfeife. Daneben gibt es Martinsbrezen, deren Form zum Teilen einlädt. Eine hübsche Ergänzung sind kleine Gänse aus süßem Teig, die regional als Martinsgebäck gebacken werden. Auch als Mürbteigkekse lassen sich die gefiederten Motive gestalten und verzieren.
Eine besonders aufwendige Spezialität stammt aus dem polnischen Posen. Dort werden zum Martinstag die berühmten Rogale świętomarcińskie gebacken. Die halbmondförmigen Blätterteighörnchen sind mit weißem Mohn, Nüssen, Rosinen und kandierten Früchten gefüllt. Eine Zuckerglasur und gehackte Nüsse machen sie zu einer üppigen Herbstspezialität. Das Gebäck ist als geschützte geografische Angabe registriert und darf unter dieser Bezeichnung nur in der Region Posen nach festgelegten Vorgaben hergestellt werden.
Auch in der Slowakei und in Tschechien haben gefüllte Hörnchen ihren fixen Platz auf der festlichen Kaffeetafel. In der Slowakei erinnern die traditionellen Martinshufeisen (Martinove podkovy) an die Form eines Hufeisens. Früher wurden sie als große, mit Mohn gefüllte Kuchen gebacken, heute sind auch kleinere Varianten verbreitet. Die tschechischen Martinskipferl (Svatomartinské rohlíčky) werden je nach Region mit Mohn, Walnüssen, Topfen oder Marmelade gefüllt. In Portugal wird der Martinstag als São Martinho gefeiert. Zum traditionellen Kastanienfest, dem Magusto, gehören neben gerösteten Kastanien süße Broas. Die kleinen, rustikalen Gebäcke werden je nach Rezept mit Honig, Nüssen, Mandeln oder Trockenfrüchten zubereitet.
Auf Sizilien gehören die Biscotti di San Martino zum kulinarischen Brauchtum. Die festen, häufig doppelt gebackenen Kekse werden mit Anis oder Fenchelsamen aromatisiert und traditionell in süßen Moscato-Wein getunkt. Neben der knusprigen Variante gibt es weichere Gebäcke, die aufgeschnitten und mit cremigem Ricotta gefüllt werden.
In Venedig wird es besonders farbenfroh: Das Dolce di San Martino ist ein großes Mürbteiggebäck in Form des heiligen Martin auf seinem Pferd. Nach dem Backen wird es mit Zuckerguss, Schokolade, bunten Süßigkeiten und Zuckerperlen geschmückt. Vor allem Kinder freuen sich über die kunstvoll verzierten süßen Figuren, die häufig verschenkt werden.