Da wären zum Beispiel Chia-Samen. Die kleinen Körner aus Mexiko werden seit Ewigkeiten verwendet – schon die Azteken haben sie gegessen und als Heilmittel genutzt. Und ja, sie können viel: Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe und Co. machen sie spannend. Aber mal ehrlich: Muss es immer das Exotische sein? Unser guter alter Lein kann da nähmlich locker mithalten. Nur weil er nicht aus Übersee kommt, ist er noch lange nicht weniger „super“.
Was macht ein Superfood eigentlich zum Superfood? Meistens sind es Lebensmittel, die einen ziemlichen Hype haben. Sie kommen oft von weit her, sind nicht gerade günstig und werden als wahre Nährstoffwunder verkauft – voll mit Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien. „Superfood“ ist aber kein geschützter Begriff. Es gibt keine festen Regeln, was wirklich dazugehört. Und noch wichtiger: Nur weil etwas viele gesunde Inhaltsstoffe hat, heißt das nicht automatisch, dass wir dadurch länger leben, fitter sind oder nie krank werden. Bleiben wir realistisch: Nur eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, ausreichend Bewegung sowie Zeit an der frischen Luft und in der Natur bringen uns am meisten.
Es geht auch regional
Viele heimische Obst- und Gemüsesorten können locker mit den gehypten Superfoods aus aller Welt mithalten. Bestes Beispiel: Leinsamen. Wirken vielleicht ein bisschen altmodisch, brauchen sich aber in punkt Nährstoffe nicht verstecken – auch nicht vor den fancy Chia-Samen. Warum müssen Produkt immer von so weit herkommen? Wenn du regional einkaufst, unterstützt du kurze Lieferwege und entlastest die Umwelt. Der größte Unterschied der bieden liegt aber im Preis. Chia-Samen sind deutlich teurer als Leinsamen. Dabei haben beide ähnliche Vorteile: Sie quellen im Magen ordentlich auf, wenn sie mit Flüssigkeit in Kontakt kommen, und bringen so deine Verdauung in Schwung. Wichtig dabei: Immer genug trinken.
Viele grüne Blätter
Dass Moringa extrem viele Vitamine, Nähr- und Mineralstoffe enthält, hat der Pflanze den Ruf eines echten Nährstoff-Wunders eingebracht. In unseren Breitengraden bekommst du frische Moringa-Blätter allerdings nicht so leicht. Meist gibt’s sie nur getrocknet als Pulver oder in Kapseln zu kaufen. Aber ist das wirklich so ein Super-Boost für deine Gesundheit, wie oft behauptet wird? Eher nicht. Als Nahrungsergänzungsmittel nimmst du davon nur winzige Mengen zu dir – und genau das relativiert das Ganze ziemlich schnell.
Wenn es um echte Versorgung mit Vitamin A, Vitamin C, Kalium oder Kalzium geht, musst du gar nicht in die Ferne schweifen: Grünkohl reicht da völlig aus. Schon 100 g liefern ordentlich Nährstoffe und beim Kalzium sogar genauso viel oder mehr. Ein weiterer Pluspunkt: Eine außerordentliche Portion Vitamin K gibt’s auch noch dazu.
Und auch beim Eisen braucht sich heimisches Gemüse nicht zu verstecken: 100 g frischer oder gegarter Spinat kommen in etwa auf das gleiche Level wie eine deutlich kleinere Menge des exotischen Blattpulvers.
Kleine starke Beeren
Die Açaí-Beere ist längst als Superfood bekannt und wird im Amazonasgebiet schon seit Jahrhunderten genutzt. Vor allem ihr hoher Gehalt an Antioxidantien hat ihr den Ruf eines echten Anti-Aging-Wunders eingebracht. Die exotische Steinfrucht bringt einige spannende Eigenschaften mit sich. Aber auch bei uns wächst etwas Vergleichbares. Die heimische Heidelbeere sieht der Açaí nicht nur ein wenig ähnlich, sie punktet ebenfalls mit vielen Anthocyanen. Und auch Schwarze Johannisbeeren, Holunderbeeren oder Brombeeren sind voll davon. Der große Vorteil unserer heimischen Beeren: Wir können sie auch frisch genießen, während Açaí meist nur als Pulver, Saft oder gefriergetrocknete Variante im Regal landet.
Und dann wäre da noch die Goji-Beere, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon seit rund 5.000 Jahren verwendet wird. Sie enthält viele B-Vitamine sowie Vitamin A, C und E, dazu Zink und Eisen. Klingt toll und das Beste: Die Pflanze lässt sich inzwischen auch hier problemlos anbauen.
Wertvolles blumiges
Nicht nur die Blüten der Rose begeistern – auch die Hagebutten haben es richtig in sich. Die kleinen Früchte der Rosen, v. a. der wild wachsenden Hundsrose, kennen vielen nur als Hauptzutat in Marmelade oder im Früchtetee. Dabei gehören sie zu den heimischen Vitamin-C-Bomben schlechthin: Kein anderes Obst oder Gemüse aus unserer Region liefert davon mehr und sie übertreffen damit sogar so manche exotische „Superfrucht“ deutlich. Dazu kommen weitere Inhaltsstoffe wie Vitamin A, B, K und E sowie wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium, Kalzium und Eisen.
Wer hätte gedacht, dass unsere heimischen Früchte so viel können? Oft liegt das Gute eben direkt vor unserer Haustür. Man muss also gar nicht in die Ferne schweifen und ganz nebenbei tut man damit auch der Umwelt etwas Gutes – besonders, wenn man auf regionale und biologische Produkte setzt. Kurze Wege, weniger Belastung und trotzdem mit jeder Menge guter Inhaltsstoffe.