Wer bei Funkien ausschließlich an üppige Blattschmuckpflanzen für den Halbschatten denkt, übersieht eine kulinarische Besonderheit. Die aus Ostasien stammenden Pflanzen, botanisch als Hosta bekannt, sind nicht nur dekorative Gartenstauden, sondern liefern im Frühjahr auch ein zartes, überraschend feines Gemüse. In Japan werden die jungen Austriebe unter dem Namen „Urui“ geschätzt – dort findet man sie saisonal sogar abgepackt im Supermarkt.
Zarte Triebe als Delikatesse
Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt. Geerntet werden die frischen, noch eingerollten Triebe im Frühjahr, sobald sie aus dem Boden schieben, sich aber die Blätter noch nicht vollständig entfaltet haben. In diesem Stadium sind sie besonders zart, saftig und mild im Geschmack. Mit zunehmender Blattentwicklung werden sie faseriger und verlieren an Feinheit.
Wichtig ist ein schonender Umgang mit der Pflanze: Pro Horst sollten stets weniger als die Hälfte der Triebe geerntet werden, damit sich die Funkie weiter gut entwickeln kann. Geschnitten wird mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden. Wer die Pflanze im eigenen Garten kultiviert, sollte darauf achten, dass sie unbehandelt ist – also nicht mit Pflanzenschutzmitteln oder chemischem Dünger belastet wurde.
Geschmacklich erinnern Funkien-Triebe an eine Mischung aus jungem Spargel, Zuckererbsen und einem Hauch Frühlingszwiebel. Die Textur ist knackig, dabei saftig und leicht schleimig – ähnlich wie Okra, jedoch deutlich dezenter.
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Zubereitung in der Küche
Vor der Verarbeitung werden die Triebe gewaschen und gegebenenfalls die äußere, etwas festere Haut leicht abgezogen. Kleinere Triebe können im Ganzen verwendet werden, größere halbiert oder in Stücke geschnitten.
Funkien eignen sich zum kurzen Blanchieren, Dünsten oder Anbraten. Auch roh, fein geschnitten im Salat, sind sie möglich. Wichtig ist eine kurze Garzeit von nur wenigen Minuten, damit die zarte Struktur erhalten bleibt. Als Begleiter zu Fisch, in Frühlingspfannen oder als eigenständige Vorspeise entfalten sie ihre Stärken besonders gut.
Rezept: Gebratene Funkien-Triebe mit Sesam und Sojasauce
Zutaten für 2 Personen:
300 g frische Funkien-Triebe
1 EL neutrales Öl
1 TL Sesamöl
1 EL helle Sojasauce
1 TL Reisessig oder Apfelessig
1 TL gerösteter Sesam
Optional: etwas frisch geriebener Ingwer
Zubereitung:
Die Funkien-Triebe gründlich waschen und bei Bedarf größere Exemplare längs halbieren. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Triebe bei mittlerer Hitze zwei bis drei Minuten anbraten, bis sie leicht glasig werden und noch Biss haben. Sojasauce, Essig und Sesamöl zugeben und kurz durchschwenken. Mit geröstetem Sesam bestreuen, nach Wunsch etwas Ingwer ergänzen und sofort servieren.
Dazu passt gedämpfter Reis oder ein Stück gebratener Fisch.