Viele Zuckerersatzstoffe punkten damit, dass sie weniger Kalorien liefern und den Blutzucker weniger stark beeinflussen. Genau deshalb werden sie oft in Fitness-Produkten oder Lebensmitteln für Diabetiker verwendet. Außerdem gelten viele davon als zahnfreundlicher und eignen sich teilweise sogar ziemlich gut zum Kochen oder Backen. Vor allem sogenannte Zuckeralkohole wie Xylit oder Erythrit sind beliebt. Erythrit kommt sogar natürlicherweise in kleinen Mengen in manchen Obstsorten oder Käse vor, wird für Lebensmittel aber meist industriell hergestellt. Der Stoff enthält kaum Kalorien und süßt weniger stark als Zucker, weshalb er oft mit anderen Süßungsmitteln kombiniert wird.
Klingt erstmal nach einer ziemlich guten Lösung. Ganz ohne Nachteile läuft die Sache allerdings nicht. Denn gerade Zuckeralkohole können in größeren Mengen Verdauungsprobleme verursachen. Bauchweh, Blähungen oder Durchfall sind keine Seltenheit – besonders dann, wenn man bei zuckerfreien Süßigkeiten oder Kaugummis etwas übertreibt.
Natürlich heißt nicht automatisch gesund
Besonders beliebt ist aktuell Erythrit – fast kalorienfrei, angenehm süß und oft besser verträglich als andere Zuckerersatzstoffe. Gleichzeitig gibt es laut Studien Hinweise auf mögliche Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob Erythrit tatsächlich die Ursache dafür ist, ist wissenschaftlich aber noch nicht geklärt.
Auch Stevia wird oft als „natürliche“ Alternative gefeiert, schließlich stammt der Süßstoff ursprünglich aus einer Pflanze. Trotzdem wird er stark verarbeitet, bevor er im Getränk oder Dessert landet. Dazu kommt der starke Eigengeschmack, den nicht alle mögen.
Was macht Süßstoff mit unserem Körper?
Besonders spannend ist die Frage, wie unser Körper auf künstliche Süße reagiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe Einfluss auf Darmflora, Stoffwechsel oder sogar das Hungergefühl haben könnten. Andere Untersuchungen sehen wiederum Vorteile, wenn Zucker durch Süßstoffe ersetzt wird. Eine klare Antwort gibt es bisher nicht. Für Diskussionen sorgte zuletzt auch eine große südamerikanische Studie mit mehr als 12.000 Teilnehmenden. Dabei zeigte sich ein möglicher Zusammenhang zwischen regelmäßigem Konsum künstlicher Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Saccharin und einem schnelleren geistigen Abbau sowie einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vor allem bei Menschen unter 60 Jahren. Bewiesen ist damit allerdings noch nicht, dass die Süßstoffe tatsächlich die Ursache dafür sind. Auch andere Lebensstilfaktoren könnten eine Rolle spielen.
Fest steht trotzdem: „zuckerfrei“ bedeutet nicht automatisch gesund. Am Ende kommt es weniger auf den perfekten Ersatzstoff an, sondern vielmehr darauf, wie viel Süßes insgesamt täglich auf dem Speiseplan landet. Wer bewusster konsumiert und nicht alles extra süß braucht, fährt langfristig wahrscheinlich am besten.