Kaum ein Satz wird in der Küche so vehement verteidigt wie dieser. Doch stimmt diese Aussage? Ein Faktencheck. Mehr lesen ...
Aus dem Fruchtfleisch wird Palmöl, aus den Kernen Palmkernöl gewonnen. © Photoongraphy/Shutterstock.com
Palmöl stammt von den Früchten der Ölpalme, deren Fruchtstände bis zu 50 Kilogramm wiegen können. Aus dem Fruchtfleisch wird Palmöl, aus den Kernen Palmkernöl gewonnen. Beide Öle werden in der Regel raffiniert und finden anschließend vielfältige Verwendung – vor allem in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie. Palmöl gilt als vielseitig einsetzbar: Es ist hitzestabil, geschmacksneutral, lange haltbar und damit für industrielle Zwecke besonders attraktiv.
Tatsächlich ist Palmöl heute das bedeutendste Pflanzenöl der Welt. Rund ein Drittel des globalen Verbrauchs an pflanzlichen Ölen entfällt auf Palmöl, und im Schnitt enthält beinahe jedes zweite Supermarktprodukt zumindest einen geringen Anteil davon – ob Margarine, Tiefkühlpizza, Schokoriegel, Waschmittel, Creme oder Lippenstift. Auch in Keks-, Back- und Fertigprodukten ist Palmöl weit verbreitet. Palmkernöl findet sich zudem in Duschgels, Shampoos, Seifen oder Lotionen und dient als Basisstoff für Tenside. Selbst abseits von Lebensmitteln und Kosmetik steckt es in Kerzen, Schmiermitteln, Farben und Lacken; ein kleiner Teil der Produktion wird auch für Energie- und Treibstoffzwecke genutzt, Tendenz steigend.
Umweltfolgen des Palmölanbaus
Doch die Schattenseiten dieser enormen Nachfrage sind gravierend. Für den großflächigen Anbau von Ölpalmen werden tropische Regenwälder gerodet, vor allem in Indonesien, das gemeinsam mit Malaysia rund 85 Prozent des weltweiten Palmöls produziert. Die Anbaufläche hat sich seit 1990 vervielfacht; allein in Indonesien wurden etwa 16 Millionen Hektar Regenwald vernichtet – das entspricht rund der doppelten Fläche Österreichs. Dabei gehen wertvolle Ökosysteme verloren, und seltene Tierarten wie Orang-Utans, Sumatra Elefanten und Sumatra Tiger verlieren ihren Lebensraum.
Besonders problematisch sind Plantagen auf Torfmoorböden. Diese speichern enorme Mengen an Kohlenstoff – bis zu 50-mal mehr als andere Regenwälder. Wird der Boden zur Anlage von Palmölplantagen trockengelegt, entweichen große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre. Indonesien zählt dadurch inzwischen zu den größten Emittenten von Treibhausgasen weltweit.
Neben ökologischen sind auch soziale Missstände weit verbreitet. In vielen Plantagen wird unter schlechten Arbeitsbedingungen gearbeitet – niedrige Löhne, Landraub, Pestizideinsatz und Kinderarbeit sind keine Seltenheit. Zahlreiche Bemühungen, eine funktionierende soziale und ökologische Zertifizierung zu etablieren, gelten bislang als unzureichend. Auch das bekannteste Nachhaltigkeitslabel, der RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil), steht in der Kritik. In der Vergangenheit wurden selbst Plantagen auf geschützten Waldflächen als „nachhaltig“ zertifiziert, was das Vertrauen vieler Umweltorganisationen erschüttert hat. Ohne strenge Kontrollen und konsequente Sanktionen bleibt die Glaubwürdigkeit solcher Zertifikate begrenzt.
Nachhaltige Wege
Dennoch gibt es Fortschritte: In Österreich und anderen europäischen Ländern wird zunehmend Palmöl aus kontrolliertem, zertifiziertem Anbau verwendet. Unternehmen achten stärker auf Umweltstandards, faire Arbeitsbedingungen und Artenschutz. Neben dem RSPO fördern auch Initiativen wie die ESPOAG und das Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP) Verbesserungen entlang der gesamten Lieferkette.
Wo möglich, sollten Produzenten Palmöl durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen oder den Einsatz insgesamt reduzieren. In der heimischen Lebensmittelproduktion haben sich regionale Öle – etwa Sonnenblumen-, Raps- oder Sojaöl aus dem Donau-Soja-Programm – als nachhaltige Alternativen etabliert. Importiertes Sojaöl aus Übersee gilt dagegen als problematisch, da dort ebenfalls wertvolle Urwälder der Landwirtschaft weichen müssen. Bei manchen Produkten, etwa Brot oder Backwaren, hat sich der Verzicht auf Palmöl oder Fett insgesamt bereits bewährt. Trotz all dieser Herausforderungen bleibt Palmöl ein zentraler Bestandteil der globalen Ernährung und Wirtschaft. Es kann, richtig produziert, eine wichtige Rolle spielen – sofern Umwelt- und Sozialstandards tatsächlich eingehalten werden und der Anbau langfristig im Einklang mit Mensch und Natur erfolgt.