Faktencheck

Was nach dem Essen ins Glas kommt

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 06.10.2026 - 08:00
shutterstock_2555813159.jpg

Auch wenn die verdauungsfördernde Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist, gehört ein kleiner Schluck nach dem Essen für viele einfach zur geselligen Genusskultur dazu. © journey601/Shutterstock.com

Ob Obstbrand, Grappa oder Kräuterlikör: In vielen Ländern gehört ein alkoholisches Getränk nach dem Essen zur Genusskultur. Solche Getränke werden häufig als Digestifs (Verdauungsschnaps) bezeichnet. Meist handelt es sich um Spirituosen, die pur oder als verfeinerte Variante serviert werden. Traditionell lassen sie sich in fünf Gruppen einteilen: Wein- und Tresterbrände, Obstbrände, klare Spirituosen, Liköre und Kräuterspezialitäten. Je nach Sorte unterscheiden sie sich deutlich in Alkoholgehalt, Süße und Aromatik.

Schließt ein Schnaps wirklich den Magen?
Der Glaube hält sich hartnäckig: Nach einem reichhaltigen Essen soll ein Schnaps den Magen beruhigen und die Verdauung erleichtern. Wissenschaftlich ist dieser Effekt nicht überzeugend belegt. Alkohol kann die Magenentleerung sogar verlangsamen. Das angenehme Gefühl nach dem Essen bedeutet also nicht automatisch, dass der Körper die Mahlzeit schneller verarbeitet. 

Warum der Brauch trotzdem so beliebt ist? Ein kleines Glas markiert für viele den Abschluss eines Menüs. Dazu kommen Tradition, Geselligkeit und der bewusste Genuss besonderer Aromen. Ein Digestif ist daher eher ein kulinarisches Ritual als eine verlässliche Verdauungshilfe.

Von fruchtig bis herb
Obstbrände wie Williamsbirne, Marille oder Kirschbrand bringen intensive Fruchtnoten ins Glas. Tresterbrände wie Grappa werden aus den Rückständen der Weinherstellung gewonnen und können je nach Herstellung frisch, floral oder kräftig-würzig schmecken. Weinbrände überzeugen häufig mit warmen, holzigen und karamelligen Aromen. Klare Spirituosen bieten ein breites Spektrum, während Liköre und Kräuterspezialitäten von fruchtig-süß bis bitter und würzig reichen.  Entscheidend ist nicht allein die Kategorie, sondern auch die Qualität und der persönliche Geschmack. Manche Spirituosen entfalten ihre Aromen leicht gekühlt, andere kommen bei etwas höherer Temperatur besser zur Geltung. Auch das Glas spielt eine Rolle: Ein passendes Nosingglas kann helfen, die Duftnoten bewusster wahrzunehmen.

Der passende Abschluss
Wer Getränke und Speisen aufeinander abstimmt, kann den Menüabschluss gezielt gestalten. Fruchtige Brände passen beispielsweise zu Birnen- oder Marillendesserts, während Tresterbrand eine schöne Ergänzung zu italienischen Nachspeisen sein kann. Kräuterliköre setzen einen würzigen, oft bitteren Akzent. Süße Liköre harmonieren dagegen besonders gut mit Schokolade oder cremigen Desserts.  Wer auf Alkohol verzichten möchte, muss auf einen genussvollen Abschluss nicht verzichten: Espresso, Kräutertee oder Mineralwasser mit Zitrusfrüchten und frischen Kräutern bieten aromatische Alternativen.