Faktencheck

Was die Hitze mit Olivenöl macht

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 31.07.2026 - 08:00
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© Goskova Tatiana/Shutterstock.com

Olivenbäume gelten als wahre Überlebenskünstler. Ihre tief reichenden Wurzeln, die schmalen, silbrig schimmernden Blätter und ihr langsames Wachstum machen sie ausgesprochen widerstandsfähig gegen Trockenheit. Viele der jahrhundertealten Bäume, die heute noch Früchte tragen, haben bereits zahlreiche Dürreperioden überstanden. Doch auch diese robuste Kulturpflanze stößt an ihre Grenzen. Der Klimawandel macht sich im Mittelmeerraum besonders deutlich bemerkbar. Hitzewellen treten häufiger auf, Trockenphasen dauern länger und Niederschläge fallen unregelmäßiger. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu, bei denen das Wasser oft oberflächlich abfließt, statt langsam in den Boden einzusickern. Für Olivenbäume bedeutet das zusätzlichen Stress. Besonders kritisch ist die Zeit der Blüte. Liegen die Temperaturen über einen längeren Zeitraum deutlich über 35 °C, kann die Bestäubung beeinträchtigt werden. Blüten vertrocknen schneller oder setzen weniger Früchte an. Fehlt zusätzlich Wasser im Boden, wirft der Baum einen Teil der jungen Früchte ab, um seine Kräfte zu schonen. Das Ergebnis sind geringere Erträge.

In den vergangenen Jahren war dies v. a. in Spanien zu beobachten. Das Land liefert normalerweise rund 40 bis 50 % des weltweit produzierten Olivenöls. Fällt dort die Ernte wegen extremer Witterung deutlich kleiner aus, wirkt sich das unmittelbar auf den Weltmarkt aus. Auch Italien, Griechenland und Portugal kämpfen zunehmend mit ähnlichen Problemen. Dabei geht es nicht nur um Hitze. In einigen Regionen begünstigt das veränderte Klima außerdem die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Ein bekanntes Beispiel ist die Olivenfruchtfliege, deren Entwicklung stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt. Auch Pflanzenkrankheiten können sich unter veränderten Klimabedingungen leichter etablieren und ganze Bestände gefährden.

Mehr Aufwand für höchste Qualität

Ein häufiger Irrtum lautet, dass heiße Sommer automatisch zu minderwertigem Olivenöl führen. Tatsächlich ist die Qualität jedoch das Ergebnis vieler Faktoren. Neben Klima und Wasserversorgung spielen die gewählte Olivensorte, der Standort, der Erntezeitpunkt und
v. a. die Verarbeitung der Früchte eine entscheidende Rolle. Unter moderatem Trockenstress bilden Oliven häufig kleinere Früchte. Diese enthalten zwar oft weniger Öl, dafür aber teilweise höhere Konzentrationen an Polyphenolen und anderen sekundären Pflanzenstoffen. Sie verleihen hochwertigem nativem Olivenöl extra seine charakteristische Schärfe und Bitternote und tragen zugleich zu seiner Oxidationsstabilität bei. Viele Spitzenöle stammen deshalb durchaus aus eher trockenen Regionen.

Problematisch wird es erst, wenn Hitze und Wassermangel über längere Zeit extrem ausfallen. Dann sinkt nicht nur der Fruchtansatz, sondern auch der Ölgehalt der Oliven. Die Früchte reifen ungleichmäßig oder schrumpfen, wodurch die Ausbeute in den Ölmühlen deutlich geringer ausfällt. Ebenso entscheidend ist die Verarbeitung. Hochwertiges natives Olivenöl entsteht nur aus gesunden Früchten, die möglichst innerhalb weniger Stunden nach der Ernte verarbeitet werden. Werden Oliven zu lange gelagert oder beschädigt, leidet die Qualität unabhängig vom Wetter.

Für Verbraucher zeigt sich der Klimawandel derzeit v. a. an der Ladenkasse. Die außergewöhnlich hohen Preise der vergangenen Jahre sind jedoch nicht allein auf Hitze zurückzuführen. Mehrere schwache Ernten in Folge trafen auf eine weltweit stabile Nachfrage. Gleichzeitig verteuerten sich Energie, Verpackungsmaterialien, Dünger, Transport und Bewässerung. In vielen Anbaugebieten mussten Landwirte erheblich mehr in moderne Bewässerung investieren oder Wasser zukaufen. Die Branche reagiert inzwischen mit verschiedenen Anpassungsstrategien. Präzisere Bewässerungssysteme versorgen die Bäume gezielt mit Wasser und reduzieren Verluste. Begrünte Fahrgassen und Mulch helfen, die Bodenfeuchtigkeit länger zu erhalten. Gleichzeitig wird intensiv an Olivensorten geforscht, die mit Trockenheit und hohen Temperaturen besser zurechtkommen. Auch neue Anbaugebiete gewinnen an Bedeutung. Während einige traditionelle Regionen zunehmend unter Wasserknappheit leiden, entstehen Olivenhaine inzwischen auch in höher gelegenen Lagen oder weiter nördlich.