Von Striezel bis Totenbrot

Kulinarische Bräuche zu Allerheiligen

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 21.10.2026 - 10:05
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Der Allerheiligenstriezel ist ein traditionelles österreichisches Hefegebäck, das rund um Allerheiligen gerne verschenkt wird. Der süße, geflochtene Striezel wird häufig selbst gebacken und mit Hagelzucker oder Mandelblättchen verziert. © unpict/Shutterstock.com

Diese Köstlichkeiten erzählen von alten Bräuchen, familiären Erinnerungen und davon, wie eng Genuss und Gedenken miteinander verbunden sind. Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst seine kühle Seite zeigt, haben besondere Backtraditionen Hochsaison. Rund um Allerheiligen und Allerseelen wird in vielen Ländern nicht nur der Verstorbenen gedacht – auch bestimmte Speisen gehören fest zu dieser Zeit. Mal sind es süße Hefezöpfe, mal würzige Brote oder feines Mandelgebäck. Was sie verbindet: Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es bringt Familien zusammen, hält Erinnerungen lebendig und macht jahrhundertealte Traditionen mit jedem Bissen erlebbar. Dabei hat jedes Land seine eigenen kulinarischen Klassiker zu bieten.

Ein Striezel mit Tradition

Bei uns in Österreich gehört der Allerheiligenstriezel zu den bekanntesten kulinarischen Bräuchen dieser Zeit. Der goldgelbe Hefezopf wird aus einem süßen Germteig geflochten, häufig mit Hagelzucker bestreut und frisch besonders gern zum Frühstück oder zur Nachmittagsjause serviert. Traditionell schenken Tauf- und Firmpaten ihren Patenkindern den Striezel zu Allerheiligen. Regional ist das Gebäck auch unter Namen wie Strietzel oder Allerseelenzopf bekannt. Wer ihn selbst backt, weiß: Der Duft von Germteig, Butter und frisch gebackenem Gebäck macht den Striezel zu einem echten Herbstklassiker. 

Brot für die Seelen

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Pan de Muerto ist ein traditionelles mexikanisches Süßgebäck, das zum Día de los Muertos, dem Tag der Toten, gebacken wird. Das luftige Brot wird häufig mit Zucker bestreut und mit Teigverzierungen in Knochenform geschmückt. © Sergio Hayashi/Shutterstock.com

Deutlich farbenfroher geht es beim Día de los Muertos in Mexiko zu. Am 1. und 2. November erinnern Familien an ihre verstorbenen Angehörigen. Ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten ist das Pan de Muerto, übersetzt „Brot der Toten“. Das süße, weiche Hefegebäck wird häufig mit Orangenaroma und Anis verfeinert. Charakteristisch sind die Teigverzierungen auf der Oberfläche, die an Knochen erinnern. Je nach Region und Rezept wird das Brot mit Zucker bestreut oder mit Sesam verziert.

Das Pan de Muerto ist mehr als eine saisonale Spezialität: Es findet sich auch auf den sogenannten ofrendas, den liebevoll gestalteten Gedenkaltären für Verstorbene. Dort stehen neben Fotos und Blumen häufig Speisen und Getränke, die die Verstorbenen zu Lebzeiten besonders mochten. Die Vorstellung dahinter: Die Erinnerung an einen geliebten Menschen bleibt auch durch gemeinsame Rituale und vertraute Geschmäcker lebendig.

Mit ungewöhnlichen Namen

Auch in Italien dreht sich Anfang November vieles um besondere Süßspeisen. Besonders spannend sind die Fave dei Morti, kleine Mandelkekse, deren Name übersetzt „Bohnen der Toten“ bedeutet. Mit echten Bohnen haben sie geschmacklich allerdings wenig zu tun: Die kleinen Gebäcke werden traditionell aus gemahlenen Mandeln, Zucker und weiteren Zutaten zubereitet. Je nach Region unterscheiden sie sich in Form, Farbe und Konsistenz. Manche sind weich und mürbe, andere eher knusprig.
Ebenfalls verbreitet sind die Ossa dei Morti, die „Knochen der Toten“. Diese Kekse erinnern in ihrer Form an Knochen und werden in verschiedenen italienischen Regionen rund um Allerheiligen und Allerseelen gebacken. Dazu passt ein Espresso oder ein Kaffee nach dem Essen. Die Namen mögen zunächst etwas makaber klingen, doch dahinter steckt ein jahrhundertealtes Brauchtum, das den Verstorbenen gewidmet ist.

Süße Knochen und kleine Mandelkunstwerke

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Panellets sind traditionelle kleine Süßigkeiten aus Katalonien, die besonders rund um Allerheiligen beliebt sind. Sie bestehen meist aus Mandeln, Zucker und Ei und werden häufig mit Pinienkernen umhüllt. © Lecker Studio/Shutterstock.com

In Spanien wird Allerheiligen auch in der Konditorei gefeiert. Besonders bekannt sind die Huesos de Santo – übersetzt „Knochen der Heiligen“. Die länglichen, meist weiß glasierten Röllchen bestehen aus einer Hülle aus Marzipan und sind traditionell mit einer süßen Eigelbcreme gefüllt. Ihre Form erinnert an kleine Knochen, ihr Geschmack ist dagegen herrlich süß und mandelig. Rund um den 1. November gehören sie in vielen spanischen Konditoreien zum saisonalen Angebot. Neben der klassischen Füllung gibt es inzwischen auch Varianten mit Schokolade oder anderen Cremes.

Eine weitere Spezialität sind die katalanischen Panellets. Die kleinen, meist runden Küchlein werden aus einer Masse aus gemahlenen Mandeln, Zucker und Ei hergestellt. Besonders beliebt ist die Variante mit Pinienkernen, die außen an der Mandelmasse haften und beim Backen eine goldene, leicht knusprige Hülle bilden. Daneben gibt es Varianten mit Kokos, Kaffee oder Schokolade. Traditionell werden die Panellets zur Castanyada serviert, dem katalanischen Herbstfest rund um Allerheiligen. Dazu kommen geröstete Kastanien und Süßkartoffeln, die mit ihrer natürlichen Süße perfekt in die Jahreszeit passen. 

Kuchen für die Seelen

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Soul Cakes sind kleine, würzige Mürbeteiggebäcke, die traditionell zu Halloween oder Allerseelen gebacken und an Bedürftige verteilt wurden. Oft sind sie mit Rosinen verziert und gelten als Teil alter Gedenkbräuche für die Verstorbenen. © EllyGri/Shutterstock.com

Auch auf den britischen Inseln gibt es eine lange Tradition rund um süßes Gebäck zu dieser Jahreszeit. Die sogenannten Soul Cakes – übersetzt Seelenkuchen – wurden früher rund um Halloween, Allerheiligen und Allerseelen gebacken und an Menschen verteilt, die von Haus zu Haus gingen und für die Verstorbenen beteten. Die kleinen Kuchen oder Kekse wurden häufig mit Gewürzen wie Zimt und Muskatnuss aromatisiert und mit Rosinen verziert.

In Irland ist außerdem Barmbrack bekannt, ein süßes Brot mit getrockneten Früchten, das traditionell besonders zu Halloween gegessen wird. In manchen Rezepten wurden kleine Gegenstände im Teig versteckt, denen eine symbolische Bedeutung für die Zukunft zugeschrieben wurde. Heute steht bei vielen Varianten v. a. der fruchtige Geschmack im Mittelpunkt.