EU-Pläne für 2026

Kommt eine neue Steuer auf verarbeitete Lebensmittel?

Ein Artikel von Gerald Stiptschitsch | 17.11.2025 - 14:41
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© New Africa/Shutterstock

Ab 2026 könnte in der Europäischen Union eine neue Abgabe auf bestimmte Lebensmittel eingeführt werden. Medienberichten zufolge arbeitet die Europäische Kommission an einem Modell, das sogenannte „ultra-processed foods“ und stark verarbeitete Produkte mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt verteuern soll. Ziel ist es, gesundheitsschädliche Ernährungsgewohnheiten zu reduzieren und Hersteller dazu zu bringen, ihre Rezepturen zu verändern. Noch befindet sich der Vorschlag allerdings in Abstimmung – endgültige Details werden frühestens Ende 2025 erwartet.

Was hinter der geplanten Lebensmittelabgabe steckt

Die Überlegungen basieren auf einer aktuellen Studie der Europäischen Kommission, die sich mit „Health Taxes“ in Europa beschäftigt. Darin wird analysiert, wie nationale Steuern auf Softdrinks, Süßwaren oder salzreiche Snacks in verschiedenen Ländern wirken. Die EU diskutiert nun, dieses Prinzip erstmals auf europäischer Ebene anzuwenden.
Besteuert werden sollen allerdings nicht Grundzutaten, sondern industrielle Fertigprodukte, die besonders viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Betroffen wären also Produkte wie Softdrinks, Chips, Süßwaren, Fertigsaucen oder stark verarbeitete Tiefkühlgerichte.

Unverarbeitete oder kaum verarbeitete Lebensmittel – also Zucker, Salz, Mehl, Butter, Öl, frisches Gemüse oder Fleisch – sind von den Plänen ausdrücklich nicht umfasst. Damit reagiert man auf die Kritik, dass Grundnahrungsmittel für Haushalte nicht teurer werden sollen. Der Fokus liegt klar auf Produkten, deren Nährwertprofil gesundheitlich ungünstig ist.

Ab wann die Steuer kommen soll

In Medienberichten ist häufig von einer Einführung „ab 2026“ die Rede. Doch offiziell handelt es sich nicht um ein beschlossenes Gesetz, sondern um einen Vorschlag, der noch innerhalb der EU-Institutionen abgestimmt werden muss. Ein Entwurf der Kommission soll voraussichtlich Ende 2025 präsentiert werden. Danach müssten sowohl EU-Parlament als auch Mitgliedstaaten zustimmen.
Denkbar ist daher ein Start im Laufe des Jahres 2026, möglicherweise auch erst 2027, abhängig vom Gesetzgebungsverlauf. Eine konkrete Produktliste mit Grenzwerten – etwa ab welchem Zuckergehalt ein Produkt steuerpflichtig wäre – liegt derzeit ebenfalls noch nicht vor.

Die EU betont jedoch, dass die Abgabe vor allem Hersteller treffen soll, um Reformulierungen anzuregen. Vorgemachte Getränke mit weniger Zucker oder Snacks mit reduziertem Salz- bzw. Fettgehalt könnten dadurch günstiger bleiben.

Was die Pläne für Konsumenten bedeuten

Für Kunden würde sich im Alltag vor allem eines ändern: bestimmte Fertigprodukte könnten teurer werden, während Grundzutaten unverändert bleiben. Wer frisch kocht, spürt die Abgabe somit kaum.
Viele Gesundheitsexperten begrüßen den Ansatz, weil Studien belegen, dass der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln in Europa weiter steigt. Gleichzeitig betonen Kritiker, dass Preissteigerungen besonders einkommensschwache Haushalte treffen könnten. Ob es Ausnahmen, Übergangsfristen oder unterschiedliche Abgabesätze geben wird, ist noch offen.

Fest steht: Die EU möchte Anreize für eine ausgewogenere Ernährung setzen – und die Lebensmittelindustrie zu gesünderen Rezepturen bewegen. Wie genau die Belastung ausfällt, wird sich jedoch erst zeigen, wenn der offizielle Entwurf der Kommission vorliegt.