Roséweine

Vom Nebenprodukt zum Trendwein

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 21.07.2026 - 08:30
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Rosé ist ein Wein voller Gegensätze: Er verbindet die Frische eines Weißweins mit der Struktur eines Rotweins und steht irgendwo zwischen sommerlicher Leichtigkeit und überraschender Tiefe. Genau diese Mischung macht ihn heute so beliebt. Die Zahlen zeigen: Rosé ist längst mehr als ein saisonaler Begleiter. Im Vergleich der Jahre 2023 und 2024 legten die Verkaufszahlen heimischer Händler um rund 30 %  zu – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich der Geschmack vieler Weinliebhaber verändert. Dabei entsteht hochwertiger Rosé nicht einfach nebenbei. Entscheidend sind Rebsorte, Verarbeitung sowie die Art der Herstellung. Eine wichtige Methode ist die sogenannte Saignée-Methode („Ausbluten“). Dabei bleiben rote Trauben zunächst kurz mit ihren Schalen in Kontakt. Ein Teil des leicht eingefärbten Mostes wird anschließend abgezogen und weiterverarbeitet. Je länger dieser Kontakt dauert, desto intensiver wird die Farbe – von zartem Lachsrosa bis hin zu kräftigem Himbeerrot.

Eine besonders helle Variante entsteht durch die Direktpressung. Hier werden die Trauben sofort gepresst, sodass kaum Farbstoff aus den Schalen in den Saft gelangt. Dazwischen liegt die kurze Mazeration, bei der die Schalen nur wenige Stunden im Most bleiben und dem Wein Farbe sowie zusätzliche Aromen verleihen. Immer mehr Winzer gehen außerdem neue Wege und bauen Rosé etwa im Holzfass oder in Amphoren aus. Dadurch bekommt der Wein mehr Struktur, Tiefe und Komplexität – Eigenschaften, die viele lange nicht mit Rosé verbunden haben.

Vom Sommertrend zum echten Qualitätswein

Lange Zeit hatte Rosé mit einem Vorurteil zu kämpfen: Er galt als einfacher Terrassenwein oder sogar als Nebenprodukt der Rotweinproduktion. Früher entstand er häufig, wenn Winzer Rotwein konzentrieren wollten und dabei einen Teil des Mostes abzogen. Was übrig blieb, wurde oft ohne großen Anspruch abgefüllt und manchmal mit Süße versehen, um Schwächen auszugleichen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute wird Rosé immer häufiger bewusst produziert – mit einer eigenen Idee und einem klaren Ziel. Bereits im Weingarten entscheiden sich Betriebe für passende Rebsorten und den richtigen Erntezeitpunkt. Im Keller wird genau gesteuert, wie viel Farbe, Frucht und Struktur der Wein bekommen soll. Aus einem Zufallsprodukt ist ein eigenständiger Wein geworden.
International hat v. a. die Provence den Rosé geprägt und ihn zum Symbol für mediterranen Lebensstil gemacht. Die hellen, eleganten Weine aus Rebsorten wie Grenache, Cinsault und Syrah stehen für Sonne, Leichtigkeit und Genuss. Doch auch andere Regionen zeigen, wie vielseitig Rosé sein kann: In der Champagne entstehen komplexe Rosé-Schaumweine mit feiner Perlage, während Italien mit unterschiedlichen Stilen punktet – von leichten Weinen rund um den Gardasee bis zu kräftigeren Rosatos aus Apulien.
Österreich spielt in dieser internationalen Entwicklung noch eine eher kleine Rolle – und genau darin liegt ein besonderer Reiz.