Im Sommer darf es gerne leicht und erfrischend sein. Weißwein, Rosé und spritzige Tropfen begleiten warme Tage und unkomplizierte Mahlzeiten. Mit dem Herbst verändert sich dagegen auch die Küche: Auf dem Teller landen wieder Kürbis, Pilze, Maroni, Wild, Schmorgerichte und andere herzhafte Speisen. Dazu passen Weine, die aromatisch etwas mehr zu erzählen haben. Rotwein bringt dafür beste Voraussetzungen mit. Je nach Rebsorte und Ausbau reicht sein Spektrum von fruchtig und samtig bis würzig, kräftig und strukturiert. Manche Weine wirken weich und zugänglich, andere bringen mehr Säure, Gerbstoffe und Tiefe mit. Gerade diese Bandbreite macht österreichischen Rotwein interessant.
Die heimische Rotweinwelt ist größer, als es auf den ersten Blick scheint. Neben den klassischen österreichischen Sorten Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent und Blauem Wildbacher finden sich auch Blauburgunder (Pinot Noir), Blauburger sowie die pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen Roesler und Rathay. Dazu kommen international bekannte Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah, die in Österreich gute Bedingungen vorfinden.
Der Zweigelt ist die meistverbreitete Rotweinsorte Österreichs. Die Sorte wurde 1922 aus Blaufränkisch und St. Laurent gekreuzt und ist auch unter dem Namen Rotburger bekannt. Ihr Spektrum reicht von jungen, fruchtbetonten Weinen bis zu kraftvollen, holzgereiften Gewächsen. Typisch sind Kirsch- und Weichselfrucht, eine samtige Textur und dezente Würze. Eine besondere Stellung nimmt der Blaufränkisch ein. Die alte Sorte ist nach genetischen Analysen aus einer natürlichen Kreuzung von Blauer Zimmettraube und Weißem Heunisch hervorgegangen. In Österreich ist sie seit dem 18. Jh. nachweisbar und war später auch unter anderen Namen bekannt. Blaufränkisch ist v. a. im Burgenland stark vertreten und spielt auch in den östlichen Weinbaugebieten Niederösterreichs eine wichtige Rolle. Im Mittelburgenland, am Leithaberg und im Südburgenland ist die Sorte besonders prägend. Mit ihrer tiefgründigen Waldbeeren- oder Kirschfrucht, kräftigen Säure und markanten Struktur bringt sie sehr charaktervolle Rotweine hervor. Bei entsprechender Reife entwickeln sich zudem samtigere Facetten. Der St. Laurent steht für eine feinere und elegantere Seite des österreichischen Rotweins. Gemeinsam mit Zweigelt und Blaufränkisch gehört er zu den Sorten, die das Bild des österreichischen Rotweins besonders stark prägen. Seine Frucht und Würze machen ihn zu einem spannenden Begleiter der herbstlichen Küche. Doch auch abseits dieser drei Sorten gibt es viel zu entdecken. Blauburgunder, international als Pinot Noir bekannt, kann elegante und fein strukturierte Rotweine hervorbringen. Der Blaue Wildbacher ist v. a. als Grundlage für den Schilcher aus der Weststeiermark bekannt. Und mit Merlot, Cabernet Sauvignon oder Syrah finden auch internationale Rebsorten in Österreich passende Bedingungen. Damit reicht die österreichische Rotweinpalette von fruchtig und leicht zugänglich bis hin zu komplex, würzig und kräftig.
Dass Rotwein und Herbst so gut zusammenpassen, liegt nicht zuletzt an der Küche dieser Jahreszeit. Es wird würziger, herzhafter und oft etwas kräftiger. Ein Rotwein kann diese Geschmackswelt aufgreifen und ergänzen. Dabei muss ein Rotwein nicht automatisch schwer sein. Gerade fruchtbetonte und mittelkräftige Weine können zu vielen herbstlichen Gerichten passen. Entscheidend ist das Zusammenspiel: Ein sehr kräftiger Wein kann feine Speisen überdecken, während ein leichter Rotwein neben einem intensiven Gericht schnell in den Hintergrund gerät.