Rund 1,7 Millionen Hektoliter Wein könnten heuer in Österreich geerntet werden. Damit fällt die Menge voraussichtlich um mehr als 30 % geringer aus als im Vorjahr. Hauptgründe dafür sind die außergewöhnliche Trockenheit und die hohen Temperaturen während der Vegetationsperiode. Die Beeren blieben vielerorts besonders klein und enthalten dadurch weniger Saft. Für die Qualität zeichnet sich hingegen ein erfreuliches Bild ab. Der geringe Krankheitsdruck sorgte vielerorts für gesundes Traubenmaterial, gleichzeitig führte die warme Witterung zu einer raschen Reife. Gerade die kleinen Beeren können eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen aufweisen und damit intensive Aromen hervorbringen. Besonders bei den Rotweinsorten werden aufgrund der dunklen, konzentrierten Trauben kräftige und vollreife Weine erwartet.
Geprägt von Trockenheit und Hitze
Das Jahr 2026 begann bereits früh: Nach einem zunächst noch von Niederschlägen und Frost geprägten Winter setzte ab Ende April eine ungewöhnlich warme Phase ein. Die Reben trieben bereits Mitte April aus, die Blüte folgte Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni. Trotz des frühen Austriebs kam es kaum zu größeren Schäden durch Spätfrost.
Danach wurde Wasser zunehmend zum limitierenden Faktor. Ab Juni fehlten vielerorts ausreichende Niederschläge, während mehrere Hitzeperioden die Entwicklung zusätzlich beschleunigten. Besonders die Weinbaugebiete im Osten Österreichs waren von der Trockenheit betroffen. Temperaturen von über 30 °C prägten den Sommer über weite Strecken. Die tiefreichenden Wurzeln machen Weinreben grundsätzlich vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Trockenheit. 2026 gerieten die Pflanzen dennoch teilweise an ihre Grenzen. Besonders junge Weingärten waren betroffen, da deren Wurzelsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Um die jungen Rebstöcke zu entlasten, wurden regional sogar Trauben entfernt. Wie stark die Trockenheit wirkte, hing unter anderem von der Bodenbeschaffenheit, der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens sowie von der Bewirtschaftung der Weingärten ab.
Die frühe Entwicklung spiegelte sich auch im Beginn der Lese wider. Im Burgenland, insbesondere im Seewinkel, war die Ernte Anfang September bereits weit fortgeschritten. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien startete zu diesem Zeitpunkt die Hauptlese. Für die Winzer kommt es heuer besonders auf den richtigen Erntezeitpunkt an. Durch die schnelle Reife muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass Zucker und Säure ein harmonisches Verhältnis behalten. Die geringen Mengen machen die Ernte zwar wirtschaftlich herausfordernd, die Qualität des Leseguts gibt jedoch Anlass zur Hoffnung. Auch unabhängig von der Erntemenge bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll. Ein rückläufiger Weinkonsum und hoher Preisdruck stellen die Betriebe vor Herausforderungen. Österreich kann dabei auf die Stärken seiner Weine setzen: handwerkliche Herstellung, hohe Qualität, Frische und eine zunehmend umweltbewusste Produktion. Gerade diese Eigenschaften bieten Chancen, neue Konsumenten zu erreichen und die Position österreichischer Weine im Export weiter auszubauen.
Quelle: ÖWM