Der entscheidende Punkt liegt in der sogenannten Schönung. Wenn Traubensaft vergoren wird, entsteht zunächst ein naturtrüber Wein – ähnlich wie Apfelsaft, der nicht gefiltert ist. Um ihn klarer, weicher und manchmal auch farbstabiler zu machen, greifen Winzer zu Schönungsmitteln. Traditionell kommen dabei tierische Hilfsstoffe ins Spiel: Eiklar, Gelatine oder Hausenblase, also getrocknete Fischschwimmblase. Sie binden Trubstoffe und sorgen für glanzklare Weine – aber eben nicht für vegane.
Heute geht das auch anders. Pflanzliche oder mineralische Alternativen wie Bentonit (eine natürliche Tonerde), Aktivkohle oder Erbsenprotein erledigen die gleiche Aufgabe, nur ohne tierische Spuren. Einige Weingüter verzichten sogar ganz auf diesen Schritt, um ihren Weinen ein besonders authentisches Profil zu geben – roh, ehrlich und naturbelassen.
Wer sicher sein will, dass im Glas nichts Tierisches steckt, kann sich leicht orientieren. Das gelb-grüne V-Label der Veganen Gesellschaft Österreich steht klar für Weine ohne tierische Hilfsmittel. Auch biodynamisch arbeitende Weingüter verzichten komplett auf tierische Schönungsmittel. Ihre Philosophie hat übrigens österreichische Wurzeln: Der Anthroposoph Rudolf Steiner entwickelte vor rund hundert Jahren das Konzept der biodynamischen Landwirtschaft und setzte auf Kreislaufwirtschaft, Vielfalt und Respekt gegenüber der Natur. Viele heimische Winzer produzieren längst vegan, ohne es groß aufs Etikett zu schreiben. Wer neugierig ist, kann einfach nachfragen oder online stöbern – zum Beispiel in der österreichischen Weindatenbank, die mittlerweile über 300 vegane Weine listet. Am Ende geht es nicht um ein Label, sondern um ein Lebensgefühl: bewusster genießen, wissen, was ins Glas kommt.