Weine müssen nicht kompliziert sein, das Leben muss nicht kompliziert sein, man muss es nur genießen“, sagt PENNY-Weinsommelière Zsuzsanna Kurcsics-Földvári und gibt Tipps für entspannte... Mehr lesen ...
Hintergrund der Untersuchung waren zwei spanische Kohort-Studien von Forscherteams rund um den Mediziner und Ernährungswissenschafter Miguel A. Martínez-González: Die PREDIMED-Studie umfasste 7.447 Hochrisikopatienten, die zu ihren Ernährungsgewohnheiten (mediterrane Diät und Weinkonsum bis zu maximal sieben Gläsern pro Woche) befragt wurden. Kardiovaskuläre Vorfälle wurden hier über einen Nachbeobachtungszeitraum von knapp fünf Jahren erfasst, die Gesamtmortalität (also Sterbefälle) wurde über die folgenden 17 Jahre hinweg verfolgt. Die sogenannte SUN-Studie wurde mit 23.122 spanischen Teilnehmern durchgeführt, die über einen Zeitraum von 22 Jahren hinweg beobachtet wurden. Aus beiden Studien ist bekannt, dass die mediterrane Ernährung mit entsprechenden gesundheitlichen Vorteilen einhergeht: Bei PREDIMED konnte eine Reduktion schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei mediterraner Ernährung mit Olivenöl und Nüssen im Vergleich mit einer fettarmen Kontrolldiät um 30 % festgestellt werden. Fraglich war, welche Rolle im Konkreten der Weinkonsum bei den erwähnten Vorteilen spielt. Charakteristisches Merkmal der mediterranen Diät ist der Konsum eines Glases Wein zu Mahlzeiten.
Vor allem die Ernährung zählt
Ist moderater Weinkonsum also mit einer reduzierten Gesamtsterblichkeit verbunden? Bei Personen mit hohem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzierte die konsequente Einhaltung der mediterranen Ernährung (ohne Wein) die Gesamtmortalität um 23 %. Eine zusätzliche Reduktion der Sterblichkeit um 10 % (wodurch eine relative Reduktion von 33 % erreicht wurde) wurde beobachtet, wenn moderater Weinkonsum einbezogen wurde. Dieser Zusammenhang wurde bei Personen, die sich nicht mediterran ernährten, jedoch nicht beobachtet: Moderater Alkoholkonsum ist laut der vorliegenden Analyse der Studiendaten nur dann mit einer reduzierten Gesamtmortalität verbunden, wenn er in die mediterrane Ernährung integriert ist. Keine Reduktion der Mortalität konnte bei Studienteilnehmern gefunden werden, die drei oder mehr Gläser Wein pro Tag tranken. Das deutet darauf hin, dass die positiven Effekte nur bei niedrigem bzw. moderatem Weinkonsum zu tragen kommen. In beiden Studien konnte ein Trend hin zu niedrigerem Vorkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Weinkonsumenten im Rahmen mediterraner Diät festgestellt werden, der jedoch nicht signifikant war. Die Diskussion der Studienergebnisse muss jedenfalls angesichts der Tatsache erfolgen, dass der Weinkonsum in keiner der Kohorten unabhängig randomisiert wurde. Laut Studienautoren lassen sich die Ergebnisse nicht zweifelsfrei einordnen. So wurde etwa angemerkt, dass sich die Weintrinker von den Nicht-Weintrinkern systematisch unterschieden: sie waren körperlich aktiver, hatten einen höheren Bildungsgrad und rauchten auch häufiger. Zu seriösen wissenschaftlichen Klärung der tatsächlichen Rolle des moderaten Weinkonsums für die Gesundheit im Vergleich zur Abstinenz (im Rahmen einer mediterranen Diät) läuft in Spanien aktuell eine großangelegte Studie mit 10.000 Probanden unter der Leitung von Miguel A. Martínez-González. Erste Ergebnisse daraus werden für Ende 2028 bzw. Anfang 2029 erwartet.